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Jens Bastian- Pleite? Macht doch nichts!


January 10, 2010 | Bastian Jens | 2 Comments

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Griechenlands Finanzen sind völlig marode – doch die Griechen hat das lange überhaupt nicht gestört. Regeln gelten in dieser instabilen Gesellschaft nicht viel. Analyse eines infantilen Gemeinwesens Die Wirtschaftskrise lösen die Griechen zumeist im Kaffeehaus, zumindest sprechen sie dort darüber, ebenso wie über die Politik und den Fußball. Doch das altbekannte, malerische Bild gesprächiger Geselligkeit an den Boulevards von Athen hat eine ebenso absurde wie verräterische Note. Ausländischen Besuchern fallen irgendwann die Rauchverbotsschilder auf, die überall hängen, aber vor Zigarettenqualm kaum zu erkennen sind. Und kein griechischer Besucher nimmt Anstoß an dieser kollektiven Regelverletzung. Weder Eigentümer noch Gäste haben von amtlichen Kontrollen etwas zu befürchten, obwohl das allgemeine Rauchverbot in Gaststätten eigentlich seit Juli 2009 in Kraft ist. Die Griechen sind ein Volk, das sich die Regelverletzung zur Regel gemacht hat, das die Zwänge der Wirklichkeit gerne und lustvoll ausblendet. Das ist etwas infantil. Und es hat am Ende schlimme Folgen.
Die Welt Online vom 10. 01.2010



2 Comments for Jens Bastian- Pleite? Macht doch nichts!

  1. Lina said..

    “Die Griechen sind ein Volk, das sich die Regelverletzung zur Regel gemacht hat, das die Zwänge der Wirklichkeit gerne und lustvoll ausblendet.” Und ausserdem sind sie auch noch “infantil” und müssen endlich “in die reale Welt Entlassen werden.”

    So, so, Herr Bastian Jens!

    Ich bin Griechin, 44 Jahre alt, lebe seit meiner Geburt in Deutschland. Wie Deutsche und Griechen ticken habe ich genauestens studiert.

    Als ich letzens wegen Bauchschmerzen beim Arzt war (in D natürlich), sagte er mir bedeutungsvoll, dass er bei mir eine Koloskopie machen müsste. Ich zog ein langes Gesicht “Sorry,” sagte er leicht überheblich “das ist das Fremdwort für Darmspiegelung.” “Ich weiß,” sagte ich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen “das ist ein griechisches Wort und bringt die Sache auf den Punkt: ARSCHWACHE, ARSCHSPIONAGE. Nix anderes. Auch, wenn Sie den Vorgang in nette Fremdworte verpacken um ihm ein anderes Gesicht zu verleihen, er bleibt, was er im Wesen ist.”

    Die griechische Sprache, die sie in ihrem Artikel angesprochen haben, ist tatsächlich von Bedeutung. Vereinfachen und auf den Punkt bringen. Das Wesen des Vorgangs erfassen. Das bringt natürlich ein großes Manko mit sich. Man verpackt nicht. Und nicht gut verpacken heißt gleichzeitig, dass man nicht gut vermarktet. Nicht gut im Marketing ist.

    Die Korruption in Deutschland ist versteckt(er). Gut verpackt. Einem Politiker wird nicht einfach so Geld überwiesen. Nein, er hält eine Rede – z.B. vor deutschen Hoteliers. Dafür erhält er ein Honorar. Das wird natürlich angezeigt – aber auch nicht wirklich, sondern in der Art von “über 7.000-€.” Wenn später dann Gesetze zu Gunsten der Hoteliers erlassen werden, spricht man von “Klientelpolitik”. Das sorgt zwar auch für Empörung, aber nicht so doll, nicht wahr?

    Erinnern Sie sich an die Flick-Affäre? Wissen Sie noch WER Flick war? Ich meine nicht den Sohn, der zugegeben hat sämtliche Politiker über Jahrzente geschmiert zu haben. Nein, ich meine den Vater, die Nazigröße, an dessen Händen Blut von Juden klebte. Er wurde vom Staat vor der Pleite gerettet. Lange Zeit nach dem Krieg.

    Einzelfälle? Mitnichten. Ich habe einfach nur keine Lust alles aufzuzählen. Eins noch: ich lebe in einer Stadt mit der höchsten Millionärsdichte in D. Gehen Sie mal auf’s Schützenfest. Schauen Sie hinter die Kulissen. Vetternwirtschaft. Klar doch. Das weiß jeder. Aber nur einmal drang ein Gerücht über Korruption im Baudezernat an die Öffentlichkeit. Sehr schnell wurde es unter den Teppich gekehrt. Und die Partei – ach, ja, die Partei die regiert hier seit 40 Jahren.

    Aber die Bürger sind brav. Die merken nix. Die rauchen auch nicht an verbotenen Orten. Es wird ihnen halt alles gut verpackt verkauft. Alles hat seine Ordnung und alles hat seine Richtigkeit.

    Aber dieses griechische, ach so anarchische Volk. Es WILL einfach die Realität nicht sehen. Es schiebt den Ärzte Fakelakia über den Tisch, um schneller an einen Termin zu kommen, oder vom Chefarzt persönlich behandelt zu werden. Das ist ein SKANDAL!

    Genau! Meine Mutter ist schwer lungenkrank. Und bei der AOK versichert. Die AOK ist im Gegenteil zur IKA eine Luxusversicherung. Einmal, als es meiner Mutter sehr schlecht ging, rief ich beim Pneumologen wegen eines Termins an. Die nette Helferin gab mir auch prompt einen. In 8 Wochen. Einige Minuten später ließ ich dort meine Freundin anrufen. Als privat Versicherte natürlich. Ergebnis? Termin am nächsten Tag. Abgerechnet wird cash oder über die private Versicherung. Ist doch eleganter – besser organisierter dieses Fakelaki.

    Herr Jens, ich könnte noch stundenlang schreiben. Über meine Erfahrungen in der Industrie und im PR Bereich. Über miese Korruption in Deutschland. Aber, was soll’s. Hauptsache äußerlich ist alles Bestens. Alle Bürger folgen treu den Gesetzen der Eliten und sehen nicht, wie diese eine Million Wege kennt, um die Gesetze zu umgehen, Steuern zu hinterziehen (wieviele Namen erhielten die Steuer CDs? Welche Länder haben sie nicht gekauft?), Krankenkassen zu betrügen. Sie sehen nicht, wie Lobbyisten in deutschen Ministerien sitzen und Gesetze schreiben! Nein, sie können es nicht sehen. Es ist ja alles bestens organisiert.

    Aber der Grieche, oh ja, der anarchische Grieche, er sieht es. Er weiß es. Und er weigert sich schön verpackten bullshit nicht als das anzusehen, was es ist: bullshit.

    Ich werde nicht weiterschreiben. Weil ich auch so eine Griechin bin und weil ich denke:
    Kai ti tha ginei taxa? Werde ich Sie etwa erreichen können? Sie leben seit 14 Jahren in GR und sehen nur das, was Sie sehen wollen.
    Den peirazei. Nase kala!

    Viele Grüße aus der Heimat

    Lina

    P.S.:

    Die WeltOnline gehört zum Springer-Verlag. Das ist der größte rassischtische Hetzer Europas.


  2. Lina said..

    “Das Defizit ist ausschließlich hausgemacht. Die üblichen Verdächtigen, die Türkei, die EU-Kommission oder die Europäische Zentralbank, kann kein Grieche verantwortlich machen.”

    Wirklich? Ausschließlich hausgemachtes Defizit? Vielleicht. Teilweise. Fakt ist, dass Griechenland nie wirklich frei war. Nach der Befreiung von den Osmanen wurden den Griechen Kredite von den den Engländern und Franzosen aufgebrummt, die heute noch abzuzahlen sind. Jetzt befinden wir uns in einer weltweiten Depression. Und Griechenland muss als erstes bluten.

    “Vielleicht zum ersten Mal muss dieses Land strukturelle Reformen durchführen, und zwar ohne weiteren Verzug.”

    Richtig. Der Markt ist derreguliert, von Mulitis dominiert und monopolisiert. Jeder Grieche, der mit einer neuen Idee auf den Markt kommt, muss ins Ausland flüchten.

    “Das wird ohne einen tief greifenden Mentalitätswandel nicht zu bewerkstelligen sein. Die stolzen Griechen sind auf diese Herausforderung weder gedanklich noch praktisch vorbereitet.”

    Die stolzen Griechen. Klingt in deutschen Ohren ziemlich gockelhaft. Stolz ist man auf etwas, was man erreicht hat. Aber so? Wie will ein Deutscher diesen Stolz verstehen? Worauf ist man stolz? Na? Haben Sie eine Idee? Ich schon.

    “Das zeigt sich beim einfachen Bürger in der wachsenden Zahl geplatzter Kreditkartenabrechnungen und ungedeckter Schecks, in der zunehmenden Kreditverweigerung der Banken.”

    Ok. Jetzt wird es hart. Geplatzte Schecks und griechische Mentalität, die sich ändern muss. Ist das Ihr Ernst? Sie verbreiten tatsächlich in den deutschen Medien, dass Griechen Betrüger sind?
    Könnten die geplatzen Schecks nicht in Zusammenhang mit den tausenden Geschäftspleiten in Verbindung gebracht werden? Keine Kausalität zur Weltwirtschaftskrise? Schwach, Herr Bastian. Äusserst schwach.

    “Haben die Griechen überhaupt angefangen zu verstehen, dass ihr Leben auf Pump, das “Kaufe jetzt, zahle später”, ein Ende hat? Mitnichten. Weil es griechisch ist und bleibt, sich vernünftigen Regeln hartnäckig zu widersetzen. Aber warum eigentlich?”

    Und hier kann man doch wieder stolz sein, als Grieche, nicht wahr? Die westliche Welt ist verdammt griechisch.

    Kalinixta.


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